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Wortstammtext® - "hör" - Hören mit halbem Gehör

  • Daniele Pecoraro
  • 27. Dez. 2024
  • 34 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 10. Juli


Seid gegrüßt, ihr lieben Lesenden,

ich freue mich euch einerseits wieder einen Wortstammtext® präsentieren zu können, der eine Kurzgeschichte darstellt, und keine philosophische oder kreative Textproduktion. Andererseits muss ich vermerken, dass vielleicht auch deswegen der Text weniger Kraft hat. Zumindest meiner Ansicht nach.

 

Außerdem muss ich auch vermerken, dass innerhalb dieses Artikels wieder einmal Reflexionen und Gedanken aus der Zeit, in der ich diesen Wortstammtext®-„hör“ verfasste, hinzugefügt habe. Ich habe sie selbst noch mal gelesen und musste feststellen, dass ich damals anfing bessere Reflexionen zu schreiben. Zu der Zeit fing ich an Texte (bzw. Reflexionen) zu schreiben, die ich selbst interessant fand zu lesen. Frappiert könnte der Einzelne von mir denken ich sei eitel oder arrogant, wenn ich meine Texte selbst gut finde, was ich natürlich nicht so sehe. Ein Schriftsteller muss wohl von seinen Textprodukten überzeugt sein. Wie sonst soll er Qualität bieten können?

 

Von daher folgen in diesem Artikel nach dem von dem KI produzierten Wortstammtext®-„hör“ meine Reflexionen.

 

Vorgegangen bin ich hier wie sonst auch. Wieder einmal habe ich ChatGPT Prompts gegeben, die wie folgt lauteten:

 

Erstelle einen Wortstammtext® zum Wortstamm "hör". Der Text soll poetisch und nachdenklich sein und sich an sprachinteressierte Leser richten. Nutze die folgenden 93 Wörter bzw. Wortverbindungen.

(…)

Alle 93 Wörter bzw. Wortverbindungen müssen im Text vorkommen. Achte darauf, dass die Wörter gleichmäßig verteilt sind, der Text flüssig bleibt und die Wörter in sinnvollen Kontexten eingebaut werden.

 

Wenn du aufgrund deiner Zeicheneinschränkung nicht den Text beenden kannst, dann Gib mir einen Hinweis und ich werde dich auffordern weiterzuschreiben.

 

Es folgte der Text und ein Hinweis: Text wird fortgesetzt, 47 Wörter verwendet

 

Ich schrieb: Setz den Text weiter fort.

Danach kam erneut ein Text mit ähnlichem Hinweis: Text wird fortgesetzt, weitere 49 Wörter verwendet

 

„Führ den Text fort.“, schrieb ich.

 

Danach habe ich wie sonst immer eine Checkliste mit allen vorgegebenen Wörtern vorgenommen und nachgeschaut, in wieweit ChatGPT die Wörter verwertet hat. Wie immer einige mehrfach und andere gar nicht. Bitte verübelt mir nicht, dass ich dieses Mal nicht so detailliert vorgehe wie zuvor. Dasselbe gilt für den Text von Copilot.

Ich würde sagen; lest einfach rein, und macht euch selbst ein Bild.


Viel Spaß beim Lesen





Hören mit halbem Gehörorgan

 

Manche Menschen haben nicht das Elternglück von Gott erhört zu werden, dass das Kind heil und gesund auf die Welt kommen soll. So war es bei dem jungen Erduo, der nur mit einem Ohr auf die Welt kam. Genauer genommen war es so, dass sein rechtes Ohr zwar über eine Hörmuschel verfügte, aber keinen vollständig entwickelten Gehörnerv innehatte. Verwundernd ist es logischerweise nicht, wenn die Hörigkeit der Wissenschaft, solch ein Kind entdeckt. Unwissentlich ließen sich die Eltern von Erduo auf ein Anhörungsverfahren ein. Die Wissenschaftshörigen versicherten ihnen, dass es für das Kind das Beste wäre, wenn es sich oft in Kontakt setzt, mit deren Abhöreinrichtung zum Testen des Hörzentrums.

 

Wie besorgte Eltern nun mal so sind, haben sie hörig zugestimmt. Seitdem war Erduo immer von so einer Art Hörerkreis umgeben. Was sich wie ein schlimmer Lebensanfang für einen hörbehinderten Menschen anhört, kann sich dennoch hören lassen. Es war ohnehin nicht so, dass Erduo ein Gehörloser war. Er musste nicht auf einer Gehörlosenschule gehen. Seine Hörfähigkeit reichte für den Alltag aus. Zuweilen musste er eine Hörbrille tragen, um bei der Hörerschaft nicht aus der Reihe zu tanzen. Dadurch lernte er der Stimme in seinem Kopf mehr Gehör zu schenken. Er las lieber, als nur Hörbücher zu zuhören, wodurch er sich als hörgeschädigter besser entwickeln konnte. Denn er entschied sich -trotz Hörstörung- schon in seinen jungen Jahren Hörgeräteakustiker zu werden. „Ich bin mit mangelndem Hörvermögen geboren, aber das heißt nicht, dass ich gehörlos sterben muss.“ – Das sagte er sich selbst. Er nahm sich es vor Augen, ein Hörgerät für taube Menschen zu erfinden.

Fernsehen war nichts für ihn. Lesen und sein einziges Gehörorgan zu trainieren, waren sein Alltag. Aber er betete auch als junger Mensch und hoffte auf die Erhörung Gottes, sich Gehör verschaffen zu können. Denn die Abhörung des staatlichen Sicherheitsdienstes, war für ihr ein Eingriff in die Freiheit. Er begriff schnell, dass die Smartphones Abhörwanzen sind, aber er fand dafür kein Gehör und wurde dafür als gehörgeschädigter Verschwörungstheoretiker abgestempelt.

 

In seiner Kindheit gehörte er noch der Hörerschaft des Hörfunkprogramms an. Seine Hörerbriefe wurden von dem Hörfunk nie beantwortet. Nicht mal die Hörspielabteilung antwortete ihm. Er musste nach jeder Hörfolge, nach jeder Hörprobe und jedem Hörspiel für sich erfahren, was es heißt nicht hörbar zu sein und Ablehnung zu bekommen. Unerfüllte Hörerwünsche blieben überhört. Hörbarkeit trotz Gehörlosigkeit wurde ihm in jeglicher Hinsicht signifikant. Zwar wollte er nicht, dass der Welt das Hören und Sehen vergeht, aber er wollte schon etwas von sich hören lassen. Deshalb wurde sein Lebensziel ein Hörapparat als Hörhilfe.

 

Als Erwachsener arbeitete er beim Nachrichtendienst und erfand dort ein Abhörgerät. Durchaus war er kein Höriger des Staates, aber um die Hörschwelle zu übertreten, wollte er erstmal eine artifizielle Gehörbildung erforschen, bevor er einen Gehörfehler korrigiert. Schließlich wollte er aufhören dort zu arbeiten, weil er eine Hörprobe von sich entdeckte, von einer Zeit als man ihm zusicherte, dass alles im Anhörverfahren abhörsicher gewesen sei. Vom Hörensagen wusste er, dass der Nachrichtendienst ethisch korrekt sei, und musste nun gehörig feststellen, inwieweit er schon bei seinen damaligen Hörtests betrogen wurde. Seine Kündigung blieb nicht aus und deshalb wurde er zum Verhör geladen. Erst dachte, er habe ein Hörfehler, als ihm das mitgeteilt wurde.

„Es ist nicht nur so, dass sie mich abhören wollten, jetzt wollen sie mich auch noch verhören.“ – so sprach er gegenüber dem Verhörrichter.

 

Ein halber Gehörloser wurde interessant für die Zuhörerschaft, die anfingen die Verhörmethode zu überdenken. Er machte deutlich, dass er durch die Arbeit an einem Hörgerät mehr lernen konnte, als in einem Hörsaal. Damit konnte er sich bei den Zuhörern Gehör verschaffen. Jeder Hörer, jede Hörerin, war sich klar, dass sie Erduo und seinem Hörvermögen nichts entgegenzusetzen hatten, weshalb sie die Kündigung ohne Folgen akzeptierten und ihn als Freiberufler künftig arbeiten ließen. Ab sofort gehörte er niemandem mehr. Er war frei, so wie er sich das für sich und sein Gehörschaden wünschte. So wie es allerdings mit der Freiheit ist, war er völlig überfordert, denn er wusste nicht wie er anfangen sollte ein neuartiges und modernes Hörrohr zu entwickeln. Er entschied sich, sich selbst als Testperson zu nehmen.

 

Er kaufte sich vorerst Utensilien, um an seinem Gehörgang zu arbeiten. Nicht nur daran arbeitete er, sondern auch an seinem Gehörknöchel und an seinem Hörnerv. Wie hätte er sonst wissen können, dass sein Gehörreiz aktiviert wird? Dass er einen Hörsturz erleiden könnte, stand für ihn außer Frage, weswegen er nie an ein Gehörschutz dachte. Er ging bis an die zutiefst erreichbare Hörgrenze, bis er erfolgreich mit seiner Forschung war. Mit zäher Energie entwickelte er ein Gerät, dass den Hörbereich eines jeden einzelnen beleben konnte. Eigenmächtig stellte er wieder seinen Gehörsinn auf einem Ohr her. Diese Nachricht war für die Welt der Wissenschaft hörenswert. Forscher des Hörzentrums waren verblüfft, denn sogar die Hörweite des Geräts war justierbar.

 

Erduo hatte sein Lebensziel erreicht und hatte nun ein vollständiges Hörvermögen. Zwar leistete er noch wissenschaftliche Mitarbeit, aber er entschied sich nur noch an Hörproben von verschiedensten Künstlern reinzuhören und dabei einen Beitrag zu leisten.



Die Stille hören

 

In der unendlichen Weite des Klanges liegt eine Wahrheit verborgen, die nur demjenigen zugänglich ist, der bereit ist, wirklich zuzuhören. Der Hörer, mit gespitztem Hörsinn, taucht ein in die Tiefen des Hörbereichs, wo das Flüstern des Windes und das Murmeln des Wassers von einer Welt erzählen, die jenseits des Hörbaren liegt.

 

Doch nicht jedem ist dieses Geschenk gegeben. Diejenigen, deren Hörfähigkeit durch einen Hörfehler getrübt ist oder deren Hörnerv den feinen Tönen nicht mehr folgen kann, greifen zum Hörgerät, zur Hörhilfe oder gar zur Hörbrille, um die Hörschwelle zu überwinden. Für sie ist jeder Ton, jede Melodie, ein kleiner Sieg über die Hörgrenze, ein Beweis der Macht des Zuhörens.

 

Manchmal aber, in der Eile des Alltags, vergeht uns das Hören und Sehen. Wir überhören das Flehen der Natur, das leise Hörensagen von Geschichten, die sich die Erde selbst erzählt. Der moderne Mensch, gefangen in Abhöreinrichtungen und umgeben von Hörfunkprogrammen, vergisst oft, dass wahre Schönheit in der Stille liegt.

 

Doch da gibt es jene Momente, in denen ein Hörbuch, ein sanftes Hörspiel, oder eine wohlplatzierte Hörprobe uns innehalten lässt. Wir schenken diesen Klängen Gehör und fühlen, wie sie unser Hörvermögen und unseren Geist berühren. Wir werden zu Zuhörern, die den Raum der Töne neu erfahren.

 

Der Dichter, der sich seiner Hörerwünsche bewusst ist, lässt Worte entstehen, die sich anhören, als sprächen sie direkt zu unserer Seele. Er erschafft Klangwelten, in denen selbst die Hörspielabteilung eines Rundfunksenders das Erhabene der Sprache nicht überbieten kann.

 

Selbst in der Dunkelheit, wo das Hörorgan den einzigen Kontakt zur Welt darstellt, lauschen wir den Hörfolgen des Lebens. Ein Hörrohr, ein einfaches Werkzeug, könnte reichen, um uns die sanften Töne wiederzugeben, die in der Ferne verhallen. Doch was nützt Technik, wenn wir das Zuhören verlernt haben?

 

In einem vollen Hörsaal steht ein Redner, dessen Stimme, trotz ihrer Hörbarkeit, kaum Gehör findet. Seine Worte, einst bedeutungsvoll, scheinen an den Grenzen der Zuhörerschaft abzuprallen. In solchen Momenten wird klar: Es ist nicht das Hörvermögen allein, das zählt, sondern die Bereitschaft, sich auf die Klänge einzulassen, sie zu erhören, ihnen eine Erhörung zu gewähren.

 

Doch die Welt ist laut. Verhörmethoden, installiert von einem misstrauischen Geist, dringen mit ihrer Kälte in den Klangraum ein. Das Abhörgerät und die Abhöreinrichtung versuchen, die intimsten Töne zu fangen, während die Abhörwanze flüstert, was niemals hätte gehört werden sollen.

 

In dieser Kakophonie bleibt die wahre Kunst des Hörens oft verborgen. Es ist die Kunst, das Wesentliche zu vernehmen, die feinen Nuancen zwischen den Worten. Ein Verhörrichter mag das Detail suchen, doch der Weise hört die Stille zwischen den Aussagen, das unausgesprochene Echo der Wahrheit.

 

Wir alle könnten uns ein wenig in das Einfache einhören, in das, was mit jedem Atemzug zu uns spricht. Ein Windhauch über das Gras, das Knarren eines Baumes – alles kann hörenswert sein, wenn wir ihm Aufmerksamkeit schenken.

 

Die Welt, reich an Klängen, fordert uns heraus, die Grenzen unseres Hörvermögens zu ergründen. In der Ferne erklingt ein Hörspiel, dessen Charaktere durch die Akustik lebendig werden, während in der Hörspielabteilung die Geschichten für jene kuratiert werden, die das Eintauchen in andere Welten suchen.

 

Doch nicht alle Klänge sind harmonisch. Ein plötzlicher Hörsturz raubt einem die Verbindung zur akustischen Umgebung, und die Hörschwelle wird ein Hindernis, das zu überwinden unmöglich scheint. Hier kommen die Erfindungen des Menschen ins Spiel: der Hörapparat, die Hörbrille, das Hörgerät – alles Werkzeuge, die das Gehör wiederherstellen sollen.

 

Manchmal jedoch hilft all dies nicht, und wir stehen vor der Gehörlosigkeit – einer anderen Art des Hörens. Denn auch Stille hat ihre eigene Sprache. In der Gehörlosenschule lernt man, Klänge zu sehen und Bewegungen zu lesen. Das Gehörlosenvolk, reich an Ausdrucksformen, lehrt uns, dass Hören mehr ist als Schallwellen – es ist Verständnis.

 

Und dennoch bleibt das Ringen um Gehör. In Meetings, in Gesprächen, in der Gesellschaft – wie oft versuchen wir, uns Gehör zu verschaffen? Doch das Gehör wird nicht erzwungen, es wird verdient. So lehrt uns auch die Vorsehung des Lebens, dass das Wahre nur dann hörbar wird, wenn wir innehalten und lauschen.

 

In dieser stillen Weisheit erkennen wir, dass jedes Hörzentrum auch ein Zentrum des Lebens ist. Es verbindet uns mit dem Klang des Universums, mit dem, was sich hinter dem rein Hörbaren verbirgt: der Bedeutung.




Das Poem der Klänge

 

Im stillen Nebel des Morgens erwachen die Klänge, die auf Erhörung hoffen. Ein sanfter Wind trägt die Töne durch den Hörapparat der Welt, und die Hörbarkeit wird zum Tanz der leisen Melodien. Hörbar für jene, die mit offenen Herzen hören.

 

Hörbehinderte Seelen lauschen mit den Augen, während die Hörbrille der Nacht die Geheimnisse des Dunkeln enthüllt. Das Hörbuch des Lebens entfaltet sich Seite für Seite, und jene, die hören, verlieren sich im Flüstern der Sterne.

 

Man sagt, wenn einem hören und sehen vergeht, beginnen die inneren Stimmen zu sprechen. Worte, die sich hören lassen, sind mehr als nur Geräusche. Sie sind Echos der Vergangenheit, die etwas von sich hören lassen, Geschichten des Hörensagens, die in den Ohren verweilen.

 

In der weiten Welt des Hörens gibt es Momente, die hörenswert sind. Der Hörer im stillen Raum, der Hörerbrief, der zwischen den Zeilen des Herzens geschrieben wird. Die Hörerin, die in der Nacht lauscht, der Hörerkreis, der sich um das Feuer der Worte schart.

 

Die Hörerschaft ist vielfältig, jeder Hörerwunsch ein leises Gebet, das nach Gehör strebt. Die Hörfähigkeit des Herzens überwindet jede Hörgrenze, lässt uns über die Hörschwelle treten und die wahre Melodie des Lebens erkennen.

 

Manchmal führt ein Hörapparat uns zurück in die Welt der Klänge. Der Hörgeräteakustiker ist ein Zauberer, der hörgeschädigte Ohren wieder öffnet. In den Weiten des Hörbereichs findet jeder seinen Platz, ob Hörmuschel oder Hörorgan, jeder Ton hat seine Geschichte.

 

Die Hörprobe des Lebens ist eine Melodie, die durch das Hörrohr der Seele strömt. Im Hörsaal der Natur lauschen wir den Stimmen des Windes, den Flüstern der Blätter. Jedes Hörspiel erzählt von den Wundern des Alltags, die Hörspielabteilung unserer Träume ist unendlich.

 

Ein Hörsturz kann uns die Töne rauben, doch in der Stille finden wir oft die tiefste Harmonie. Jede Hörstörung lehrt uns, die verborgenen Melodien zu schätzen. Der Hörtest des Lebens ist eine Reise durch die Klänge, die unser Hörvermögen formen.

 

Auf dem Weg durch das Hörzentrum der Seele begegnen wir den leisen Tönen des Glücks. Wir hören auf, nach dem Lauten zu suchen, und entdecken die Schönheit der Stille. Abhören und Abhörung werden zu bedeutungslosen Geräuschen, wenn das Herz spricht.

 

In einer Welt voller Abhöreinrichtungen und Abhörgeräte finden wir unseren Frieden in der Abhörsicherheit der inneren Ruhe. Abhörwanzen haben keinen Platz in den Hallen des Gehörs, wo wahre Worte Gehör finden und Gehör schenken.

 

Durch Gehörbildung öffnen wir unsere Sinne, gehören zu den Hütern der leisen Töne. Gehörknöchel und Gehörgang sind die Brücken zu den tiefen Klängen des Daseins. Gehörlosigkeit und Hörigkeit sind nur Masken, die die wahre Melodie verbergen.

 

Gehörschutz und Gehörsinn sind die Wächter unserer inneren Symphonien. Anhören und Zuhören sind die Schlüssel zu den Herzen der Menschen. Die Anhörung der Stille ist ein Verhör der Seele, ein Verhör, das uns die tiefsten Wahrheiten offenbart.

 

Verhörrichter der Welt können nicht die leisen Töne der Liebe überhören, die in jedem Herz schlagen. Einhören und Reinhören in die Melodien des Lebens lassen uns die wahre Schönheit erkennen.

 

So wandern wir weiter, durch die Weiten des Hörbereichs, lauschen den leisen Klängen, die unser Herz berühren, und finden Frieden in der Symphonie der Stille.



Reflexionen aus der Zeit, als ich den Wortstammtext®-"hör" schrieb


Donnerstag, den 17.03.2022

 

11.24 Uhr. Gestern habe ich mir ein Interview mit Dieter Lange gegeben. Manchmal habe ich dabei nicht hingesehen, aber noch hingehört. Genau das war das Signifikanteste. Denn bei einigen Sachen musste ich zweimal hinhören, unter anderem die eine Sache, bei der er sagte, dass wir bei unseren Handlungen zusehen sollten, wie sie nicht zwanghaft vollzogen werden, sondern eher in einem Fluss stattfinden, im Fluss mit der Situation, im Fluss mit uns selbst. Das schmerzte ein bisschen, als ich seine Worte hörte, denn er erinnerte mich daran, dass ich in der Tat manchmal zwanghaft handle. Vor allem beim Schreiben. Und weil ich das Schreiben als ein von mir ausersuchtes Handwerk für mich bestimmt habe, schmerzt es mich um so mehr, wenn ich darin nicht im Fluss bin.

 

23.13 Uhr. Ich dachte immer, dass in mir kaum Zwänge vorhanden sind. Als ich die Worte von Dieter Lange gehört hatte, traf es mich plötzlich so, als hätte etwas in mir gesagt: „Siehst du es jetzt endlich ein, dass du dir etwas aufzwingst?!“

 

Ich muss kurz aufatmen.

 

23.21 Uhr. Mir gefällt der Begriff „atmen“. Vielleicht könnte ich für den nächsten Wortkreistext benutzen.

(Vermerk 06.07.2026 - 13 Uhr - Damals nannte ich es noch "Wortkreistext", aber meinte das, was ich heute Wortstammtext® nenne.)

 

23.22 Uhr. Nochmal aufatmen.

 

23.23 Uhr. Da ich schon „auf Gedeih und Verderb“, „auf Biegen und Brechen“, „unbedingt“, „koste was es wolle“, „unter allen Umständen“ und „wild entschlossen“ meinen Roman beenden will, habe ich mir sicherlich einen Zwang aufgebaut, woher unter anderem mit Bestimmtheit meine Schreibblocken kommen. Lange ist es her, dass ich -wie Dieter Lange sagen würde- keinen Flow mehr hatte.

 

23.39 Uhr. Ich höre Musik beim Schreiben. Es entspannt mich. Noch mehr entspannt es mich, wenn ich das Tippen auf der Tastatur höre.

 

Freitag, den 18.03.2022

9.55 Uhr. Wenn ich höre, wie meine Kollegen sich über ihre Kinder austauschen, denke ich, dass es wahrhaftig eine schöne Erfahrung sein muss.

 

Wir Menschen könnten so schöne Wesen sein. Die Gottheit, die uns erschaffen hat, müsste stolz auf ihre Schöpfung sein. Derzeit müsste sie viele Enttäuschungen erleiden. Dennoch müsste sie mit Heiterkeit für sich vernehmen, wie sehr wir nach Entwicklung streben. Mit unserem explosiven Wachstum in unserer Masse haben wir insgesamt angefangen zu verblöden. Trotzdem ist irgendeine Form von Entwicklung vorhanden. Lässt man das ganze sinnlose Geficke und die Gewaltauslebung der Menschheit außen vor, so könnte ihr eine Entwicklung beigemessen werden. Jetzt müsste die Allgemeinheit nur noch mehr zurück zur Spiritualität finden. Dann könnte unsere Entwicklung einen ganzheitlichen Rahmen bekommen.

 

10.06 Uhr. Den Gong zum Unterricht habe ich überhört. Ich flitze mal dahin.

 

14.36 Uhr. Wie anders es ist, wenn ich an meinem Mac sitze und schreibe. Grundsätzlich spüre ich gewisse Unterschiede. Sobald ich mein iPad in die Hand nehme, weil ich es mir angewohnt habe, und dann schreibe, entsteht sowas wie Ratlosigkeit. Ich weiß nicht, was ich schreiben soll, es sei denn, ich habe das Ding in die Hand genommen, weil ich eben etwas schriftlich reflektieren will.

 

Nehme ich meinen Mac zur Hand, dann fließen die Wörter von meinem Gehirn durch die Arme bis hin zu den Fingern und letztlich in die Tastatur. Öffne ich jetzt in diesem Moment das 18. Kapitel meines Romans, so stocke ich aufeinmal.

 

Eine Sache, die ich nie gelernt habe im Leben, ist, dass ich von mir gestartete Buchprojekte je zu Ende brachte. Womöglich fehlt mir die Ausdauer dazu.

 

14.49 Uhr. Eben gerade hat mich im Hundepark eine Frau, die dort einmal mein Portemonnaie gefunden hatte, gegrüßt. Sie erzählte, dass sie ein Kopfdröhnen in den letzten Tagen hatte, so als hätte sie eine Schreibmaschine im Kopf. Sie gehört auch zu den Menschen, bei denen die meisten denken würden, dass sie nicht ganz dicht in der Birne sei.

 

Hätte ich nicht meinen beruflichen Weg eingeschlagen, würde ich problemlos auch in diese Kategorie von Menschen gelangen.

 

 

 

Samstag, den 19.03.2022

14.57 Uhr. Zur Ruhe kommend sitze ich zuhause, nachdem ich einen Spaziergang gemacht habe. Lange war ich nicht draußen. Es war viel zu kalt, um sich draußen aufhalten zu können.

Der Sonnenschein trog.

 

Ehedem ich in depressiven Gedanken verfalle, gehe ich lieber gleich zum Sport. Vorher wollte ich wieder schreiben. Nur schreiben. Eins sein, mit der Tastatur, mit den Worten. Mir gehen die Worte von Bukowski nicht aus dem Kopf.

 

Sie sind es sogar würdig, abgetippt zu werden. Und genau das mache ich jetzt.

 

„23. Juni. 1992 – 0.34 Uhr. In den letzten zwei Jahren habe ich wahrscheinlich mehr (und besser) geschrieben als in jedem vergleichbaren Zeitraum in meinem Leben. Als hätte ich das Ziel nach 50 Jahren beinahe erreicht. Und seit wie vielen Monaten fühle ich mich zunehmend abgekämpft. Körperlich und geistig. Es könnte sein, dass ich an dem Punkt bin, wo es mit mir bergab geht. Was natürlich eine grauenhafte Vorstellung ist. Das Ideal war, bis zum Augenblick des Todes weiterzumachen, nicht in die Knie zu gehen. Vor drei Jahren habe ich eine Tuberkulose überstanden. Und dieses Jahr eine Augenoperation, deren Erfolg sich noch nicht so recht eingestellt hat. Und Kleinkram wie Schmerzen im Fußgelenk und ein bisschen Hautkrebs. Der Tod tritt mir hinten den Schlappen runter und bringt sich in Erinnerung. Ich bin ein alter Knacker, das ist alles. Ich konnte mich nicht zu Tode trinken. Obwohl ich es beinahe geschafft hätte. Jetzt geschieht es mir recht, dass ich leben muss mit dem, was von mir bleibt.

Da habe ich nun seit drei Abenden nichts mehr geschrieben. Soll ich mich deshalb verrückt machen? Selbst wenn ich ganz unten bin, spüre ich, wie die Wörter in mir hochkochen und rauswollen. Ich muss keinen Wettbewerb bestehen. Es ging mir nie um Ruhm oder Geld. Ich musste es zu Papier bringen, um nicht von etwas überwältigt zu werden, das schlimmer ist als der Tod. Die Worte waren nicht etwas Kostbares, sondern etwas Notwendiges.

Wenn ich anfange, an meinen Fähigkeiten im Umgang mit dem Wort zu zweifeln, lese ich einfach etwas von meinen Kollegen, und stelle fest, dass ich keinen Grund zur Sorge habe. Das einzige, was mich unter Druck setzt, ist mein eigener Anspruch, es richtig zu machen, mit Pep und Wucht und Spaß und Risiko. Andernfalls, vergiss es.

Ich bin so schlau gewesen, die Isolation zu wählen. Besucher sind hier selten. Meine neun Katzen stieben in wilder Flucht auseinander, sobald ein Mensch sich blicken lässt. Sogar meine Frau wird mir immer ähnlicher. Was ich eigentlich gar nicht möchte. Für mich ist es normal. Aber für Linda? Nein. Ich bin froh, wenn sie das Auto nimmt und zu einem Meeting fährt. Ich leiste mir schließlich auch meine Rennbahn. Über die kann ich jederzeit schreiben. Diesen gähnenden Abgrund des Nichts. Ich gehe hin, um mich zu opfern und die Stunden zu verstümmeln, zu morden. Mit Warten die Zeit totschlagen. Die vollkommenen Stunden sind die an diesem Apparat. Man braucht aber auch unvollkommene, sonst merkt man den Unterschied nicht. Du musst zehn Stunden killen, um zwei zum Leben zu erwecken. Hauptsache, du achtest darauf, dass du nicht alle Stunden, Monate, Jahre vernichtest.

Du machst dich zum Schriftsteller, indem du instinktiv Dinge tust, die dir und dem Wort nützen und dich vor dem Tod zu Lebzeiten bewahren. Für jeden ist es etwas anderes, und für jeden ändert es sich. Für mich hieß es einmal, maßlos zu trinken. Trinken bis zum Wahnsinn. Es schärfte für mich das Wort und gab ihm Kontur. Und ich brauchte die Gefahr. Ich musste mich in riskante Situationen bringen, bei Männern und Frauen, mit Autos, mit Glücksspiel, und Hunger. Mit sonstwas. Es speiste das Wort. Ich hatte Jahrzehnte davon. Inzwischen hat sich das geändert. Was ich jetzt brauche, ist eher unterschwellig, nicht so leicht zu benennen. Ein Gefühl, das in der Luft liegt. Eine Beobachtung. Eine mitgehörte Bemerkung. Auch ein paar Drinks brauche ich noch. Aber mich interessieren jetzt Schattierungen, feine Unterschiede. Die Worte kommen jetzt aus etwas, das mir kaum bewusst ist. Gut so. Ich schreibe ein anderes Zeug. Manchen ist das schon aufgefallen >>Du hast einen Durchbruch geschafft<<, sagen sie.

Ich weiß, was sie spüren. Ich spüre es selbst. Die Wörter sind einfacher geworden, dabei wärmer und dunkler. Ich speise mich aus anderen Quellen. Die Nähe zum Tod verleiht Energie. Es kann mir nur nützen. Ich kann etwas sehen und fühlen, das Jüngeren verborgen bleibt. Von der Kraft der Jugend bin ich zur Stärke des Alters gekommen. Es wird keine Zerfallserscheinung kommen. Jetzt entschuldigt mich, ich muss ins Bett. Es ist fast ein Uhr morgens. Ich rede mir die halbe Nacht um die Ohren. Lacht darüber, solange ihr noch könnt.“

 

 

15.38 Uhr. Fertig abgeschrieben. Endlich!

Wieso „endlich!“?

Abschreiben ist an sich schon ziemlich mühselig. Manchmal kann es allerdings etwas beruhigen. Vor allem wenn man selbst nicht frei schreiben kann, also wenn man blockiert im Geiste ist. Gerade dann ist das Abschreiben von Texten befreiend.

Dieses Mal hingegen ist weder befreiend, noch blockierend gewesen. Es war … nun ja, wie war es? Sehr anstrengend. Ich erinnere mich, als ich vor wenigen Tagen angefangen hatte den Text zu lesen. Ich las wenige Worte und musste schließlich das Buch weglegen. Auf heftigste Weise hatten mich die Worte getroffen. Unerklärlich ist es mir, warum genau sie mich trafen. Heute habe ich sie gelesen, und sie haben mich erneut sehr getroffen.

Vorhin dachte ich mir: „Mein Kopf ist voll. Ich schreibe jetzt einfach den Text von Bukowski ab. Vielleicht löse ich mich dann von etwas.“

 

Ob ich mich jetzt tatsächlich von etwas gelöst habe, kann ich schwer sagen. Bewirkt hat das Abschreiben nichtsdestoweniger irgendwas in mir. Jedes Wort, das ich abgeschrieben hatte, fühlte sich so an, als hätte es Gewicht gehabt, so als würde ich in Gedanken Bankdrücken machen und jede Wiederholung eine Gefahr darstellte, dass ich zu schwach sein könnte und mir die Langhantel mit den vielen Gewichten auf die Brust ballert. Jedes Wort von ihm hat mich umgehauen. „Mit Warten die Zeit totschlagen“ – mit diesem Satz ist etwas Unerklärliches in mir passiert. In mir läuft so viel Chaos ab. Ich weiß nicht warum. Liegt es daran, dass ich in den letzten Tagen wieder dem Thema „Loslassen“ näherkam, und nun wieder in mir die Zwanghaftigkeit für meine schriftstellerische Leistung geweckt wurde?

Das kann ich nicht beantworten.

 

Ein Freund rief mich an, und fragte, ob ich vorbeikommen mag. Ich will aber eher ins Fitnessstudio fahren. Wiederrum stelle ich mich selbst dabei in Frage, ob ich es wahrlich für meine Gesundheit tue, oder ob ich in Wirklichkeit nur wegen dieses Mädels dahingehen will.

 

Aus diesem Grund wollte ich vorerst in die Welt der Wörter flüchten, und Gewissheit über mich erlangen. Jetzt ist es aber so, dass ich nur mehr Fragezeichen in meinem Kopf habe.

Vielleicht lenkt mich ein bisschen meine Wortkreistextbearbeitung zu „hören“ ab.



Freitag, den 25.03.2022

11.44 Uhr. Lehrerzimmer – vorhin habe ich ein bisschen meine Unterlagen geordnet. Ganz fertig bin ich damit noch nicht. Dieses Wochenende müsste ich sogar noch intensiver wieder daran arbeiten. Immer wieder bringe ich es soweit, anstatt immer ein kleines Bisschen jeden Tag zu machen. Dann kommt so ein Moment wie dieser, in welchem ich mich wie ein Antikörper innerhalb des Lehrerzimmers in die Ecke entferne. Die Pause findet gerade statt und die Stimmen meiner Kollegen hallen durch den großen Raum. Ich höre Gespräche und Lachen. Der eine Lehrer ruft der Lehrerin zu, und umgekehrt findet es auch statt. Ob sie so wie ich der Ansicht sind, dass es hier drin manchmal schlimmer vor sich geht als in manch Klassenzimmer?



Sonntag, den 27.03.2022

19.16 Uhr. Hören. Was soll ich hören? Ist es in Ordnung, wenn ich am Fenster sitze, dem Sonnenuntergang zuschaue und Musik dabei höre?

 

Hören. Was bedeutet hören überhaupt? Die Menschen denken sie seien gute Zuhörer, was sie in Wirklichkeit nicht sind. Ich habe Stimmen im Kopf. Ich bin überzeugt davon, dass jeder sie hat.

 

19.22 Uhr. Menschen hören nicht nur mit dem Gehör. Es gibt sowas wie ein geistiges Ohr, ein immaterielles Ohr in uns. Darin hören wir die Stimmen unserer tadelnden und lobenden Eltern, Verwandten, Freunde, Bekannten oder Lehrern.

„Das ist aber nicht so, dass man gleich von sich behaupten sollte, man würde Stimmen hören. Das sind nur Gedanken oder Erinnerungen. Bei verrückten Leuten ist das so, dass sie Stimmen hören und damit nicht zurechtkommen.“ – so klingen die Einwände der zivilisierten Gesellschaft. Darin sind ohnehin nur „normale“ Menschen. Diese sind „natürlich“ nicht verrückt. Sie können „natürlich“ von gehörten und nicht gehörten Dingen bestens unterscheiden.

 

19.29 Uhr. Den ironischen Unterton habe ich für mich, während meines Korrekturlesens, eingebaut.

 

19.30 Uhr. Hey Daniele von Morgen, ich hoffe dir geht es gut, wenn du das hier liest. Du solltest wissen, dass es dir am heutigen Tag nicht gerade bestens ging. Schlecht allerdings auch nicht. Man könnte sagen, dass du heute mit dir gekämpft und den Kampf gewonnen hast. Freue dich jedoch nicht darüber. Du weißt ganz genau, dass ein Kampf gewinnen ebenfalls bedeutet, etwas von dir verloren zu haben. Siehe es nicht so tragisch. Du weißt wieso.

 

Ich weiß nicht, ob es weise ist, dir Nachrichten zu schicken. Du wirst sicherlich verstehen, dass -wenn ich dir schon so schreibe- ich dich vor etwas bewahren will. Seit einigen Tagen bist du ziemlich melancholisch unterwegs. Selten empfindest du tiefe Heiterkeit, wie du es einst tatst. Zwar kannst du dich über den Tag und gewisse Dinge erfreuen, aber in deinem Mund schmeckst du immer noch den herben Beigeschmack von Traurigkeit, wenn du mit deiner Zunge den Staub der Laubblätter von deinen Lippen ableckst. Zu vermerken habe ich, dass das nichts Negatives ist. Weißt du noch? Du hattest einst den Gedanken, dich von Enthusiasmus lossagen zu können. Wenn du eine Art von Freude oder Glück an einem sonnigen Tag empfindest, und dennoch irgendwie gleichsam Traurigkeit oder Melancholie, dann weißt du, dass du kein Enthusiast in diesem Moment bist. Du bist du. Ich bin ich. Ich schreibe nicht dir. Ich schreibe mir. Ich habe vieles erreicht im Leben. Zugegebenermaßen lässt sich das im monetären Sinne nicht bemessen, was mich schon ein bisschen schmerzt. Nein. Es schmerzt mehr als ich mir eingestehen will. Dem gegenüber stehen meine vielen geldlosen Erkenntnisse, die mehr wert sind als alles andere.

 

Lies dir das laut vor. Höre dich selbst, wenn du das liest. Du, Daniele, du bist du. Sag dir: „Ich bin ich“. Höre ganz genau hin, wenn du dir das sagst. Sag es nochmal: „Ich bin ich“. Sag es wie Pessoa es sagen würde: „Ich bin mich“. Und da du von ihm gelernt hast, was es heißt, wenn er sagt (oder schreibt):

>>Ich hätte mit drei kurzen Worten eine Philosophie dargelegt. Ist das nicht weit besser, als mit vierzig Sätzen nichts zu sagen? Kann man von Philosophie und Diktion mehr verlangen? Möge der Grammatik gehorchen, wer nicht denken kann, was er fühlt. Möge sie gebrauchen, wer ihre Regeln beherrscht<<, solltest du dir das noch mal für die falsche deutsche Dativ-Form vornehmen. Sag dir also auch: „Ich bin mir.“ Lies es dir laut vor. Fang an deine eigene Stimme, mit deinen selbstbestimmten Worten, in deinem Kopf zu hören. Du wirst sehen, dass du nicht derjenige sein wirst, der verrückt ist. Du wirst sehen, wie dumm Menschen sind, weil sie sein wollen wie du, anstatt so zu sein, wie sie eben selbst sind.

 

20.09 Uhr. Hey Daniele von morgen, es gibt noch etwas, was ich dir sagen will. Vergegenwärtige dir die letzten Tage, an denen du gespürt hast, dass Gott bei dir ist und dich auf den rechten Weg führt. Habe Vertrauen in dir, und handle. Schreib. Hörst du? Ich frage bewusst „Hörst du?“ und nicht „Hast du es gelesen?“ – Ich hoffe du liest es dir laut vor. Sag dir: „Ich schreibe, weil ich ein Schriftsteller bin.“

Sag dir: „Ich habe alles erreicht, was ich mir zutiefst wünschte.“

So ist es nämlich. Du hast wirklich vieles erreicht. Das ist aber kein Grund jetzt zu schlafen. Das hast du genug getan. Handle. Schreib.

 

20.17 Uhr. Ich denke, wenn ich das kommende oder übernächste Woche lese, wird es mich heftig umhauen.

 

21.51 Uhr. Erfolgreich habe ich mich von meinen Vorbereitungen für die Schule gedrückt. Erfolgreich deswegen, weil ich an meinem Roman weiterschrieb. Nichtsdestoweniger werde ich gleich ein bisschen noch an meinen Vorbereitungen arbeiten.

 

21.53 Uhr. So sehr ich es mir ersehne, mit meiner Schreiberei die Miete und das Brot auf dem Tisch zahlen zu können, weiß ich jetzt schon, dass ich ein Vollidiot sein werde, der sich immer im letzten Moment davor hinsetzt, seine Schriften zu fertigen. Ich freue mich jetzt schon an dem Tag, an dem es so sein wird, diese Worte lesen zu können, die mich daran erinnern, wie ich heute hier saß, und wegen belangloser Gedanken den Tag fast verloren hätte.

 

21.57 Uhr. Tatsächlich wäre es fast ein verlorener Tag gewesen, wenn ich nicht die Kurve in meinem Gedankenfeld bekommen hätte.




Donnerstag, den 31.03.2022

20.26 Uhr. Allweisheit – sollte ich ihr jemals Nahe sein, dann hoffe ich, dass ich meine jetzige emotionale und kognitive Lage als Brücke sehen kann. Denn das, worüber ich jetzt schreiben werde, kostet mich sehr viel Kraft.

 

Wie ich anfangen soll, darüber zu schreiben, die Gedanken machen mich schon schwächlich im Geist. Womöglich ist es das Beste, wenn ich mit dem Mädchen im Fitnessstudio anfange. Schon vor mehr als einem Jahr, fand ich ein Mädchen attraktiv. Immer als ich sie sah wurde ich nervös, was mir eigentlich sehr selten passiert, wenn ich mit dem anderen Geschlecht rede. Ich bin immer selbstsicher und kann problemlos auf Menschen zu gehen. Bei ganz wenig Frauen hatte ich es, dass sie mir die Selbstsicherheit raubten, bloß durch ihre Präsenz. In ihrem Fall ist es ebenfalls so. Vor kurzem hatte ich für mich reflektiert, dass ich mit Bestimmtheit bei ihr gut ankommen könnte, wenn ich sie nur ansprechen würde. Vor allem, wenn ich sie sehr bald ansprechen würde, weil sie sonst von anderen angesprochen werden und für mich die Chance vorbei wäre.

Heute ist es passiert. Ein junger dynamischer Typ sprach sie an. Ich verstehe nicht genau, was in mir passierte. Einerseits dachte ich mir „Egal, scheiss drauf“ und andererseits denke ich mir „Ich bin so ein Idiot, dass ich es habe soweit kommen lassen“.

Es wurde aber noch viel wilder. Ich hörte Stimmen.

Wenn jemand sagt, dass er Stimmen hört, dann gilt er als verrückt, als jemand, der Medikamente braucht. Medikamente könnten mir aber nicht helfen. Denn die Stimmen werden mit den Medikamenten unterdrückt. Ich will sie nicht unterdrücken. Ich will sie verstehen. Ich will sie beherrschen.

Dafür muss ich ihnen zuhören. Aber sie sprechen alle auf einmal, alle durcheinander.

Die Stimme der Demut.

Die Stimme des Hochmuts.

Die Stimme der Milde.

Die Stimme des Geizes.

Die Stimme der Keuschheit.

Die Stimme der Wollust.

Die Stimme der Geduld.

Die Stimme des Zorns.

Die Stimme der Mäßigung.

Die Stimme der Völlerei.

Die Stimme des Wohlwollens.

Die Stimme des Neids.

Die Stimme des Fleißes.

Die Stimme der Faulheit.

 

Sie alle reden querbeet und wollen mir Ratschläge geben, wie ich ihr bezüglich weitermachen soll.

 

Die Stimme der Demut sagt: „Du besitzt sie nicht. Sie gehört nicht dir. Sieh ein, dass das Universum euch zusammengebracht hätte, wenn es euer Schicksal gewesen wäre.“

 

Die Stimme des Hochmuts sagt: „Du hast schon aus ihrer Vulva verspüren können, dass sie einen Mann braucht. Du bist dieser Mann, aber du willst nicht die Chance nutzen. Nur du wärst in der Lage, sie in jederlei Hinsicht zu befriedigen. Dafür hast du die Manneskraft.“

 

Die Stimme der Milde sagt: „Warum hast du so besitzergreifende Gefühle gegenüber einem Menschen, den du nicht mal kennst? Gönne doch dem Jungen, dass er sie kennenlernt.“

 

Die Stimme des Geizes sagt: „Schau hin! Nur weil du Hemmungen hast, hast du die Möglichkeit verpasst, sie kennenzulernen. Es ist jedoch noch nicht zu spät. Du kannst sie ihm wegschnappen. Los! Tu es!“

 

Die Stimme der Keuschheit sagt: „Du hast seit einigen Tagen, dich wieder entschlossen nicht Hand an dir zu legen und dich deinen sexuellen Gelüsten zu entsagen. Es macht dich stark. Nicht die Frau, die die sexuellen Reize in dir erweckt, entscheidet, wann du Geschlechtsverkehr hast, sondern du, weil du ein Mann mit Integrität bist.“

 

Die Stimme der Wollust sagt: „Du Idiot. Sie will ficken. Sie präsentiert sich vor dir wie ein All-You-Can-Eat-Buffet, an dem du dich jederzeit bedienen kannst. Sieh zu, dass du ihren Nektar ausleckst und dein mit Blut beladenes Zepter in sie hineindrängst. Bring sie zum Schreien.“

 

Die Stimme der Geduld: „Bleib ruhig. Wer sagt, dass die sie diejenige ist, mit du der glücklich sein kannst? Sie mag zwar schön aussehen; aber ist sie deiner Schönheit gewachsen? Davon mal abgesehen; es ist noch nichts Signifikantes passiert. Vielleicht lernst du sie doch noch irgendwie kennen. Vielleicht auch nicht. In beiden Fällen: Beruhige dich! Bewahre die Ruhe, denn du weißt genau. In der Ruhe liegt die Kraft.“

 

Die Stimme des Zorns sagt: „Du Trottel hast es so weit kommen lassen, dass irgend so ein Kerl sie anspricht. Sei jederzeit bereit, diesem Bastard die Fresse zu polieren.“

 

Die Stimme der Mäßigung sagt: „Egal was passiert, ob du sie jetzt nun kennenlernen wirst oder nicht, sei nicht frustriert und ernähre dich gesund. Du willst doch etwa nicht wegen einer Frau deine Gesundheit auf dem Spiel setzen, oder?“

 

Die Stimme der Völlerei sagt: „Diese Schlampe kannst du jederzeit noch ficken. Hol dir erstmal eine Tüte Chips und ein bisschen Schokolade.“

 

Die Stimme des Wohlwollens sagt: „Freu dich doch für sie und den Kerl. Vielleicht haben zwei Menschen zueinander gefunden, die sich wahrlich bis ans Ende ihrer Tage lieben könnten.“

 

Die Stimme des Neids sagt: „Du bist wie immer zu langsam gewesen. Jetzt wird er an ihrer Seite sein und nicht du.“

 

Die Stimme des Fleißes sagt: „Mach niemals von einer Frau sowohl deine geistige als körperliche Fähigkeit abhängig. Du weißt wohin deine Reise geht. Deshalb; arbeite an dir!“

 

Die Stimme der Faulheit sagt: „Schon wieder hast du eine Chance vertan. All deine Mühen sind vergeblich. Lass dich erst mal auf das Sofa fallen. Du hast doch keine Lust mehr dich anzustrengen. Für was denn auch? Du hast schon so viel gearbeitet und nichts dafür bekommen. Wozu mühst du dich ab? Wart einfach ab, bis die nächste Chance kommt.“

 

21.49 Uhr. So ungefähr könnte man sich vorstellen, wie es in meinem Kopf vorgeht. Hinzu kommen Szenerien, also Bilder, die diesen Worten Kraft verleihen.

 

21.53 Uhr. Wozu brauche ich einen Psychiater oder Psychologen, mit dem ich über meine Gedanken und Empfindungen sprechen kann? Wozu brauche ich Medikamente?

 

Jede Lösung kann ich in der Meditation finden.

 

Tatsächlich bin ich in mich gegangen und bat das Universum, nein ich bat Gott, um Hilfe.

Und was ich bekam, hatte den Effekt wie ein Geistesblitz. Urplötzlich war ein Satz in meinem Sinn: „Liebe und tu was du willst!“

 

Dann sprach ganz klar nur eine Stimme in mir. Die Stimme der Weisheit. Sie sagte:

„Warum mache ich mich verrückt? Wenn ich mir den Ausspruch von Augustinus zu Herzen nehme, dann merke ich, dass ich in dem Moment, in welchem dieses Mädchen aus dem Fitnessstudio mich einnimmt, nicht liebe. Wie soll ich das tun können, was ich tun will? Es entsteht in mir nur ein Konflikt, wie Jiddu Krishnamurti sagen würde. Ich liebe nicht in diesem Moment, wenn ich sie sehe. Ich begehre. Somit begebe ich mich nicht auf den richtigen Weg.“

 

22.15 Uhr. Wie sehr ich diese Stimme der Weisheit liebe. Sie ist nämlich meine eigene. Sie kommt aus meinem Herz. Allerdings ist sie sehr leise. Meditation oder innere Ruhe können sie lauter ertönen lassen. Wenn ich ihr zuhöre, dann kann ich nichts falsch machen, denn sie ist verbunden mit dem Universum.




Dienstag, den 05.04.2022

22.48 Uhr. Meine Kräfte schwinden an Tagen wie heute schnell dahin. Nervosität, schlechtes Wetter und Erschöpfung nehmen sich aus. Ich gehe gleich schlafen. Aber dabei werde ich mir ein Hörspiel geben.

 

 

Samstag, den 09.04.2022

15.14 Uhr. Das Bedürfnis zu schreiben überkommt mich urplötzlich. Deshalb sitze ich in meinem Apartment vor dem Mac und tippe erst einmal schlicht drauf los. Mich bedrückt etwas. Dabei weiß ich nicht mal genau, was es ist. Vielleicht muss ich auch nur das T-Shirt ausziehen. Es klingelt. Ich mache die Tür auf. Es ist nur ein Paket für mich angekommen. Mein bestellter Nike-Hoodie. Ich probiere ihn mir an. Er passt mir nicht. Er ist zu groß. Und dafür, dass er 40€ gekostet hat, bietet er nicht zwangsläufig eine bessere Qualität als herkömmliche Hoodies einer wenig renommierten Marke.

 

Ich habe das Gefühl, dass die Industrie den Konsumenten nach Strich und Faden verarscht. Bei Schuhen geiere ich mittlerweile nicht mehr rum. Aber bei Hosen, T-Shirts und Pullis, da achte ich genauer drauf. Warum sollte ich mich bei diesen Gütern verausgaben, wenn sie mittlerweile alle die gleiche Qualität haben? Die westliche Industrie macht sich lächerlich, wenn sie hinsichtlich ihrer Logos oder Embleme nur noch das Recht verkaufen, dass in den östlichen armen Ländern die Industriellen für sie produzieren dürfen. Das ist mir sehr zuwider.


Diese von Menschen gemachte Welt ist mir sehr zuwider. Gestern habe ich ein paar Minuten bei „Chez Krömer“ reingeschaut. Zu Gast war Harald Glööckler. Zwar halte ich nichts von ihm, aber ich hatte ein bisschen vorgespult. Dann bekam ich mit, wie er etwas aus seinem Leben erzählte. Kurt Krömer, der aktuell dafür bekannt ist offen mit Depression umzugehen, war alles andere als heiter im Gespräch, wie es sonst der Fall war. Lag es an der harten Backgroundstory von diesem komischen plastischen Typen, oder an den Typen selbst? Oder Beides?

Jedenfalls erinnere ich mich daran, wie Glööckler kurz von Reinkarnation sprach, und sagte, er wolle auf gar keinen Fall wieder inkarnieren. An dieser Stelle erschrak ich ein bisschen. Das ist genau das, was ich fühle. Wenn ich bedenke, dass er homosexuell ist und Homosexuelle eigentlich nichts anderes sind, als seelisch leidende Menschen, dann kann ich den Typen, unabhängig von seinen Vorlieben, verstehen. Es gibt zu viele schreckliche Dinge auf dieser Welt. Es ist nicht verwunderlich, dass er schwul geworden ist, wenn sein ein Vater ihn am Schwanz fummelte und seine Mutter umgebracht hat. Es ist nicht so, dass ich Mitleid für Glööckler empfinde. Ich empfinde nur Ekel. Nicht vor Glööckler, sondern vor der Welt.

 

15.44 Uhr. Wenn die Anzahl der Menschen auf diesem Planeten steigt, ist es auch nicht verwunderlich, dass die Anzahl der Gräueltaten ebenfalls steigt. Die größte Gräueltat vollziehen aber die wirtschaftspolitischen Strippenzieher bzw. die elitären Mächte, die dafür gesorgt haben, dass die Zahl der Menschen exponentiell steigt, und vermutlich dafür sorgen werden, dass sie wieder drastisch sinkt. Es ist kaum zu ertragen. Wegsehen ist nicht möglich. Hinsehen und nichts tun ist aber auch nicht beste Lösung. Es bleibt dem Einzelnen keine andere Wahl, als herauszufinden, was ihn glücklich macht, und schließlich danach zu streben.

 

15.51 Uhr. Ausgekotzt? Nein. Noch lange nicht. Mir ist immer noch danach einfach alles zu Kleinholz zu verarbeiten. Ich schaue aus dem Fenster und erlebe den dauerhaften Wechsel von grauen Wolken und starkem Sonnenschein. Das macht mich wahnsinnig. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich verstehe nur noch etwas vom Schreiben. Ansonsten von nichts anderem.

 

15.55 Uhr. Ich denke, ich sollte gleich etwas rausgehen. Ich kann nicht die ganze Zeit zuhause hocken. Einkaufen scheint mir eine sinnvolle Sache zu sein. Mein Kühlschrank ist leer. Ich lege mich erst noch ein bisschen hin und dann mache ich die Einkaufsliste fertig.





Dienstag, den 12.04.2022

14.05 Uhr. Flüsse in den Gedanken durch Musik. „Hören“ und „Zuhören“ sind zwei Begriffe, die die Effizienz im Leben ausmachen. Wenn der Mensch hört und zu dem Gehörten Bilder sieht, dann hört er eher zu, als wenn er sich etwas „anhört“. Ähnlich ist es mit der Musik. Warum hört der Mensch Musik? Ist es, weil er die Melodik angenehm findet? Oder hört er Musik, weil die darauf bezogene Gefühlslage ihn anzieht? Was ist, wenn Menschen reden? Warum hören Menschen Redner zu? 

 

Die Rede und die Musik haben die Gemeinsamkeit, dass sie durch Melodik über den Hörsinn vernommen werden. Die Rede beinhaltet Worte, die Musik muss es zwangsläufig nicht. Hierbei macht sich der Unterschied zwischen dem „Hören“ und „Zuhören“ bemerkbar.

„Hören“ ist passiv, „Zuhören“ ist aktiv. Hören findet permanent statt, wobei unterschieden werden kann, dass mit dem inneren und äußeren Ohr gehört wird. Das innere Ohr hört die Dinge, die sich im Kopf abspielen, und das äußere Ohr hört alles, was sich um den Kopf an Tönen und Geräuschen dreht. Außerdem ist ein schmaler Grad inmitten des Hörens und Zuhörens auffindbar, der darüber entscheidet, was der Einzelne für seine Entwicklung mitnimmt. Dieser schmale Grad ist so fein, dass der Einzelne kaum zu wissen vermag, wie bedeutend er für ihn sein kann. Er tritt uns immer wieder in Erscheinung, während unseres ganzen Lebens. Die Feinheit zeichnet sich durch banal wirkende Ereignisse aus. Wenn aus diesen banal wirkenden Ereignissen so etwas wie eine Erkenntnis oder eine Erfahrung entsteht, dann lässt sich diese Feinheit, dieser schmale Grad, bemerkbar machen. Ist zudem noch die Erkenntnis oder die Erfahrung nicht mit konjunktionalen Gedanken (wie z.B. „Hätte ich…“, „Wäre ich…“, „Wenn ich…“ usw.) verbunden, sondern mit klaren Gedanken der Einsicht und Akzeptanz (z.B. „So bin ich!“ oder „So ist es!“ usw.), dann ist das „Hören“ und „Zuhören“ eine kosmische Datenbank der persönlichen Entwicklung.



Freitag, den 20.05.2022

21.28 Uhr. Seit zwei Monaten sitze ich nun an meinem Wortkreistext zu „hören“.

Ich höre soviel, dass ich schon sagen könnte, ich würde eigentlich gar nichts hören. Vor einigen Tagen hörte ich bei der Arbeit meinen Kolleginnen ungewollt zu. Sie sprachen über private Dinge und ich saß dabei am Mac und habe versucht meine Aufgaben zu bewältigen. Dann sagte meine Kollegin: „Daniele tut so, als würde er nicht zuhören.“

Daraufhin entgegnete ich, dass ich sehr wohl alles gehört habe, aber es eigentlich nicht will, weil es doch schon ziemlich privat sei, was die reden. Die empfanden das nicht so. Die meinten es sei schon in Ordnung. Ich versuchte ihnen verständlich zu machen, dass es mir unangenehm sei, weil ich nicht gerne in Situationen reingedrückt werde, in welchen private Einzelheiten einer Person vermittelt werden und ich früher oder später damit in Konflikt stehen werde.

 

21.37 Uhr. Ich habe gerade darüber nachgedacht, was ich eigentlich mit dieser kurzen Story aussagen wollte, aber leider erinnere ich mich nicht, da ich ein bisschen angetrunken bin. Zwei Flaschen „V+Curuba“. Mein Lieblingsgesöff aus der Jugend. Nach dem Fitnesstraining ist man umso schneller angetrunken. Vor allem aber entsteht eine Schreibwut in mir. Erstrecht, weil ich bis vorhin einen Teil aus einer Dokumentationsreihe mit dem Titel „Vom Schreiben und Denken“ auf Arte gesehen habe. Dabei ging es um Kaligraphie und wie Schriften entstanden sind.

 

Das hat mich gerade völlig umgehauen. So sehr, dass ich immer noch nicht damit zurechtkomme. Von uns Menschen wurden so viele Worte verfasst und es besteht immer noch das Bedürfnis, Inhalte festzuhalten. Historiker, Philosophen oder sonstige Wissenschaftler, die an dem Schreiben gebunden sind, schreiben seit Jahrtausenden und selbst heute noch schreiben sie. Das ist unfassbar. Ordinär bin ich auch gerade dabei zu schreiben. Aber was schreibe ich? Was schreibe ich in diesem Moment und generell? Überwiegend Reflexionen und weiterhin schreibe ich an meinem Roman oder an meinen Wortkreistexten.

 

Ist es essentiell für die Menschheit? Ja!!! Mit vollster Überzeugung sage ich (bzw. schreibe ich): Ja!!!

 

Was könnte alles, was ich schreibe der Gesellschaft bringen? Motivation sich selbst bzw. zu sich selbst zu finden. Wenn jemandem die Einsamkeit zuteilwird, weil es sein Schicksal ist, dann kann dieser Jemand einen Beitrag leisten, damit Menschen in Verbindung stehen. Ein System kann geschaffen werden, einfach nur, weil jemand einsam war, und sich Gedanken um etwas gemacht hat, das er der Menschheit schenken will.

 

Und das größte Geschenk ist die Schrift. Wie immens ihre Gewalt ist. Ein Blatt Papier, ein Stift und ein bisschen Gedanken fließen lassen – was daraus folgt, ist, dass Menschen sich bewegen. Unglaublich. Völlig überwältigt sitze ich hier und verspüre eine Energie, die ich nicht im Zaum halten kann.

 


21.59 Uhr. Schreibwütig will ich einfach nur Worte vor mir her kotzen. Mit Kummer und Gram muss ich mir aber eingestehen, dass ich nichts Essentielles fühle in diesem Moment. So viel wie in mir abgestorben ist, vermag ich kaum noch Worte auskotzen zu können. Was ich von mir gebe, ist nur vertrocknetes Magma aus meiner Seele.

 

Ich bin eigentlich nur noch ein Archäologe, der in seinem Inneren die Ruinen erkundet und nicht weiß, wie er mitsamt seinen Pyramiden oder sonstigen kolossalen Monumenten erschaffen wurde. Überdrüssig versuche ich dem Alltag zu entkommen und in mir Ausgrabungen vorzunehmen, wobei ich dunkle und erkenntnisreiche Entdeckungen mache.

 

22.10 Uhr.  

 

Die Litteratur ist überhaupt kein Beruf, sondern ein Fluch, – damit Sie’s wissen. Wann beginnt er fühlbar zu werden, dieser Fluch? Früh, schrecklich früh. Zu einer Zeit, da man billig noch in Frieden und Eintracht mit Gott und der Welt leben sollte. Sie fangen an, sich gezeichnet, sich in einem rätselhaften Gegensatz zu den anderen, den Gewöhnlichen, den Ordentlichen zu fühlen, der Abgrund von Ironie, Unglaube, Opposition, Erkenntnis, Gefühl, der Sie von den Menschen trennt, klafft tiefer und tiefer, Sie sind einsam, und fortan giebt es keine Verständigung mehr. Was für ein Schicksal! Gesetzt, daß das Herz lebendig genug, liebevoll genug geblieben ist, es als furchtbar zu empfinden! … Ihr Selbstbewußtsein entzündet sich, weil Sie unter Tausenden das Zeichen an Ihrer Stirne spüren und fühlen, daß es Niemandem entgeht. Ich kannte einen Schauspieler von Genie, der als Mensch mit einer krankhaften Befangenheit und Haltlosigkeit zu kämpfen hatte. Sein überreiztes Ichgefühl zusammen mit dem Mangel an Rolle, an darstellerischer Aufgabe bewirkten das bei diesem vollkommenen Künstler und verarmten Menschen … Einen Künstler, einen wirklichen, nicht einen, dessen bürgerlicher Beruf die Kunst ist, sondern einen vorbestimmten und verdammten, ersehen Sie mit geringem Scharfblick aus einer Menschenmasse. Das Gefühl der Separation und Unzugehörigkeit, des Erkannt- und Beobachtetseins, etwas zugleich Königliches und Verlegenes ist in seinem Gesicht. In den Zügen eines Fürsten, der in Civil durch eine Volksmenge schreitet, kann man etwas Ähnliches beobachten.

(…)

im Hinblick auf das Werk Ihrer Dichter, auf die anbetungswürdige russische Litteratur, die so recht eigentlich die heilige Litteratur darstellt, von der Sie reden. Aber ich habe Ihre Einwände nicht außer Acht gelassen, sondern sie gehören mit zu dem, was mir heute im Sinne liegt … Sehen Sie mich an. Ich sehe nicht übermäßig munter aus, wie? Ein bißchen alt und scharfzügig und müde, nicht wahr? Nun, um auf die ›Erkenntnis‹ zurückzukommen, so ließe sich ein Mensch denken, der, von Hause aus gutgläubig, sanftmütig, wohlmeinend und ein wenig sentimental, durch die psychologische Hellsicht ganz einfach aufgerieben und zu Grunde gerichtet würde. Sich von der Traurigkeit der Welt nicht übermannen lassen; beobachten, merken, einfügen, auch das Quälendste, und übrigens guter Dinge sein, schon im Vollgefühl der sittlichen Überlegenheit über die abscheuliche Erfindung des Seins,

(…)

Aber finden Sie nicht, Lisaweta, daß ich heute von einer hamletischen Redseligkeit bin?« »Sind Sie nun fertig, Tonio Kröger?« »Nein. Aber ich sage nichts mehr.« »Und es genügt auch. – Erwarten Sie eine Antwort?« »Haben Sie eine?« »Ich dächte doch. – Ich habe Ihnen gut zugehört, Tonio, von Anfang bis zu Ende, und ich will Ihnen die Antwort geben, die auf Alles paßt, was Sie heute Nachmittag gesagt haben, und die die Lösung ist für das Problem, das Sie so sehr beunruhigt hat. Nun also! Die Lösung ist die, daß Sie, wie Sie da sitzen, ganz einfach ein Bürger sind.« »Bin ich?« fragte er und sank ein wenig in sich zusammen … »Nicht wahr, das trifft Sie hart, und das muß es ja auch. Und darum will ich den Urteilsspruch um etwas mildern, denn das kann ich. Sie sind ein Bürger auf Irrwegen, Tonio Kröger, – ein verirrter Bürger.« – Stillschweigen. Dann stand er entschlossen auf und griff nach Hut und Stock. »Ich danke Ihnen, Lisaweta Iwanowna; nun kann ich getrost nach Hause gehn. Ich bin erledigt.«

(Aus „Tonio Kröger“ von Thomas Mann.)

 

So wie er erledigt ist, so bin ich es. Phlegmatisch muss ich an dieser Stelle noch festhalten, dass ich mich selbst so bagatellisiere. Ich schreibe für mich. Ich lese für mich, was ich für mich geschrieben habe. Aber ich schreibe nicht zwangsläufig an mich. Einmütig bin ich lediglich am Schreiben. Mehr nicht. Mehr will nicht. Ich will nur schreiben. Fließen. Sterben. Mehr will ich nicht.

Wenn ich nicht sterben kann, dann will ich philosophisch sterben, und damit mein tägliches Brot verdienen.

 

22.24 Uhr. Das tat gut. Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich in der letzten halben Stunde verfasst habe. Eigensinnig habe ich nur meinen Alkoholrausch von meiner Seele geschrieben. Jetzt gerade fühle ich mich nicht mehr so dicht.

 

Ich habe vorhin noch Bounty und Bueno gegessen. Der Zucker wird wohl etwas gebracht haben.



Dienstag, den 24.05.2022

12.11 Uhr. Unzufriedenheit überkommt mich, wenn ich auf meinen Wortkreistext zu „hören“ betrachte. Was meine Reflexionen nebenher angeht, so sehe ich schon eher qualitativeren Wortgehalt. Woran liegt das? Liegt es an dem Wort?

Ist Gehörtes genauso kräftig wie Geschriebenes? Und inwieweit ist die schriftliche Reflexion über das Gehörte von qualitativen Worten geprägt?

Das Gehörte ist immer von einer gewissen Melodik begleitet. Das heißt jeder Hörer empfindet es nach seinem Gehör anders als der andere.

 

12.30 Uhr. In diesem Moment höre ich Musik. Durch das Hören von Musik kann ich meine Außenwelt komplett ausblenden, selbst wenn ich die gesungenen Worte höre. Was bedeutet das für meine Konzentration und aus Reflexions- und Ausarbeitungsfähigkeit? Ist die Aussagekraft weniger bei meinen Reflexionen vorhanden?

 

Meiner Ansicht nach keineswegs. Eventuell ist durch die Musik mein Gemütszustand beeinflusst, was meinen Schreibefluss in andere Bahnen bewegen kann, was im Umkehrschluss nicht gleich einen Verfall meiner Aussagekraft bedeutet.

 

12.36 Uhr. Was bedeutet das Hören für mich generell? Wenn ich im Lehrerzimmer sitze, nehme ich instinktiv alles Akustische wahr, allerdings nicht im Detail. Das kann wohl kein Mensch. Ich versuche immer Gespräche aus meinem Umfeld auszublenden. Das gelingt mir nicht.

Ein paranoider geistiger Bestand erweckt bei mir immer den Eindruck, dass über mich geredet werden könnte. Dabei versuche ich eigentlich auf die Meinung anderer nicht zu achten, vor allem dann, wenn ich nicht danach gefragt habe.

 

12.40 Uhr. Hören. Was bedeutet hören? Vorerst muss ich immer bedenken, dass mein Hörverstehen immer mit meiner Gefühlslage zusammenhängt.

Das Hören steht immer im Zusammenhang mit den Gefühlen und ist dadurch ein ständig sich  akustisch-änderndes Reiz-Reaktionsfeld des Individuums.



Dienstag, den 14.06.2022

23.43 Uhr. So viel wie ich höre in letzter Zeit, könnte man meinen, dass die Stille nicht existiert. Wäre das, was ich höre wenigstens etwas positives, dann wäre alles in Ordnung. Ich muss mir sogar anhören, dass ich nicht gut höre.



Mittwoch, den 22.06.2022

23.24 Uhr. Unerklärlicherweise atme ich schwer. Mein Herz schlägt wie verrückt. Ich will am liebsten aufhören, etwas zu hören. Dieser Wortkreistext zieht mich hinunter.



Dienstag, den 05.07.2022

21.13 Uhr. Ich sehe nichts, aber ich höre viel. Es ist stockdunkel, aber das Meer ist in voller Geballt hörbar. Ich sitze zehn Meter davon entfernt nass zu werden. Der Ausblick in Richtung Rethymno ist wunderbar. Die Lichter am Hafen funkeln wie die Sterne am Himmel. Und die schönste Musik bietet das Meer.



Donnerstag, den 06.07.2022

20.33 Uhr. Ich bin an meinem Arbeitsplatz. Ich bin am Meer.

 

21.33 Uhr. Endlich habe ich den Wortkreis zu Text zu „hören“ abgeschlossen. Schon allein dafür musste ich verreisen. Ein fertiggestellter Text ist wie ein Orgasmus.

„Du willst doch nicht deine schriftstellerische Arbeit mit Sex vergleichen?“, sagt mir meine innere Stimme der Wollust. Despotisch muss ich an dieser Stelle sagen:

Genau das will ich machen. Meine Arbeit mit Sex vergleichen. Zugegebenermaßen ist der Akt keineswegs vergleichbar. Gutdünkend kann ich dennoch sicherstellen, dass der Effekt der energetischen Entladung ähnlich ist. Ich habe keinen Verlag, der mir sagt, wann ich ein Schriftstück abzugeben habe, genauso wie Leute von sich behaupten würden, sie hätten niemanden, der sie dazu nötigt Sex haben zu müssen, weil sie es schlicht und ergreifend aus freien Stücken von sich aus wollen, wobei genau dies eine Lüge ist. Wir werden von der Medienindustrie sehr wohl dazu genötigt Sex haben zu wollen.

„Zu welchem Zweck“, höre ich die Stimme der Ignoranz fragen. Dem Kleinbürgertum gerecht, kann ich nur eine Antwort dazu geben: „Geld und Macht über unsere Gedanken und Handlungen“. Was nun meine schriftstellerische Arbeit und den daraus folgenden Werten angeht; das beruht auf Selbstbestimmung.






Gesammelte Wörter um den Wortstamm-„hör“

erhören

die Erhörung

Hörapparat

hörbar

Hörbarkeit

hörbehindert

Hörbereich

Hörbrille

Hörbuch

horchen

Horcher

hören

(jemdm. vergeht hören und sehen)

(sich hören lassen)

(etwas von sich hören lassen)

Hörensagen

hörenswert

Hörer

Hörerbrief

Hörerin

Hörerkreis

Hörerschaft

Hörerwunsch

Hörfähigkeit

Hörfehler

Hörfolge

Hörfunk

Hörfunkprogramm

Hörgerät

Hörgeräteakustiker

hörgeschädigt

Hörgrenze

Hörhilfe

hörig

-hörig

Hörige/r

Hörigkeit

Hörmessgerät

Hörmuschel

Hörnerv

Hörorgan

Hörprobe

Hörrohr

Hörsaal

Hörschwelle

Hörspiel

Hörspielabteilung

Hörsturz

Hörstörung

Hörtest

Hörvermögen

Hörweite

Hörzentrum

aufhorchen

aufhören

abhorchen

abhören

Abhöreinrichtung

Abhörgerät

abhörsicher

Abhörung

Abhörwanze

Zuhören

Zuhörer

Zuhörerschaft

Gehör

(Gehör finden)

(jmd. Gehör schenken)

(sich Gehör verschaffen)

Gehörbildung

gehorchen

gehören

Gehörfehler

Gehörgang

gehörgeschädigt

gehörig

Gehörknöchel

gehörlos

Gehörlose

Gehörlosenschule

Gehörloser

Gehörlosigkeit

Gehörnerv

Gehörorgan

Gehörreiz

Gehörschaden

Gehörschutz

Gehörsinn

anhören

Anhörung

Anhörungsverfahren

Verhör

verhören

Verhörmethode

Verhörrichter

überhören

einhören

reinhören

 


 
 
 

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